3.1 Die Jäger-Bierwisch-Grewendorf-Debatte

Ausgelöst wurde diese Debatte durch meinen Text „Language, what ever that may be. Die Geschichte der Sprachwissenschaft als Erosionsgeschichte ihres Gegenstandes“, der ursprünglich als die Grundlage eines auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS) 1993 in Jena geplanten Streitgesprächs mit Manfred Bierwisch und Günter Grewendorf im Eröffnungsplenum gedacht war. Mein Text war im Vorfeld der Jahrestagung an die beiden Mitdiskutanten versandt worden. Manfred Bierwisch teilte mir am späten Vorabend der Debatte im Tagungshotel mit, dass er – ebenso wie Günter Grewendorf – an der Diskussion am nächsten Morgen, die von Danièle Clément geleitet werden sollte, nicht teilnehmen werde.
Ich hielt deshalb meinen geplanten Diskussionsbeitrag in etwas erweiterter Form als Plenarvortrag, an den sich eine intensive Debatte anschloss. Jürgen Lenerz, Mitglied der Redaktion der von der DGfS herausgegebenen ›Zeitschrift für Sprachwissenschaft (ZS)‹, schlug vor, die Debatte, die in Jena durch die kurzfristige Absage von Bierwisch und Grewendorf in der geplanten Form nicht hatte stattfinden können, in Schriftform in ZS nachzuholen. Dies geschah in der Nummer ZS 12, 1 (1993), in der mein Text im Druck erschien. Die im gleichen Heft von ZS gedruckten Repliken von Bierwisch und Grewendorf lagen mir bei der Jahrestagung und auch bei der Herstellung der Druckfassung meines Aufsatzes für ZS nicht vor. Ich konnte deshalb auf sie erst nach ihrem Druck in einer Re-replik (›Chomskys Problem‹, ZS 12, 2 (1993)) antworten. Diese Re-Replik pointiert die Position meines Ausgangstextes im Lichte der (nicht immer sachlichen) Einlassungen von Bierwisch und Grewendorf.

Ausgangstext

  • Ludwig Jäger: "Language, whatever that may be." Die Geschichte der Sprachwissenschaft als Erosionsgeschichte ihres Gegenstandes. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft (ZS) 12, 1 (1993), S. 77-106.

Repliken

  • Manfred Bierwisch: Ludwig Jägers Kampf mit den Windmühlen – Anmerkungen zu einer merkwürdigen Sprach(wissenschafts)verwirrung. In: Zeitschrift für Sprach­wissenschaft (ZS) 12, 1 (1993), S.107-112.
  • Günter Grewendorf: Der Sprache auf der Spur: Anmerkungen zur Linguistik nach Jäger Art. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft (ZS) 12, 1 (1993), S.113-132.
  • Christopher Habel: Sprachwissenschaft und Kognitionswissenschaft: Kaninchen und Schlange? In: (ZS) 12, 2 (1993), S. 261- 266.

Re-Replik

  • Ludwig Jäger (1993h): „Chomsky‘s problem“. Eine Antwort auf Bierwisch, Grewendorf und Habel. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft (ZS) 12, 2 (1993), S. 235-260.

Weitere Debattenbeiträge und -bezugnahmen (Auswahl)

  • Helmut Schnelle: Welcher Sprachwissenschaft auf der Spur? Plädoyer für größere Klarheit und Toleranz. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft (ZS) 13, 1 (1994), S. 110-120.
  • Wolfdietrich Hartung: Perspektiven auf Sprache. Über Veränderungen in unserem Verständnis von Sprache. In: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 59 (2003), 5-36, Hier: 15ff.
  • Vilmos Ágel: Ist der Gegenstand der Sprachwissenschaft die Sprache? In: A. Keslész (Hg.): Metalinguistik im Wandel. Die ‚kognitive Wende‘ in Wissenschaftstheorie und Linguistik, Frankfurt: Lang 1997, 57-97.
  • Jürgen Trabant: „Humboldt über eine aktuelle Kontroverse um die Aufgaben der Sprachwissenschaft“. In: Eugenio Coseriu, Kennosuke Ezawa, Wilfried Kürschner (Hg.): Sprachwissenschaftsgeschichte und Sprachforschung. Sprachform und Sprachformen: Humboldt, Gabelentz, Sekiguchi. Tübingen 1996, S. 71–82.
  • Jürgen Trabant: Streit-Fragen. In: Jürgen Trabant: Artikulationen. Historische Anthropologie der Sprache, Kap. 10: Sprach-Wissenschaft, Frankfurt: Suhrkamp 1998, 192-206. Zu Trabants hier vorgenommenen Versuch, den Chomsky-Kognitivismus mit Humboldts Denken kompatibel zu machen vgl. kritisch unten Jäger 2007.
  • Ulrike Haß-Zumkehr: Einheit aus der Geschichte? Zur Erforschung der Geschichte der germanistischen Sprachwissenschaft. In: Mitteilungen des Marbacher Arbeitskreises für die Geschichte der Germanistik. Jg. 13/14 (1998), 11-23.
  • Peter Plöger: Der Metawissenschaft auf der Spur. Zu den Typologien sprachwissenschaftlicher Stile bei Jäger, Grewendorf und Schnelle“. In: Linguistische Berichte, 1999, Heft 178, S. 230–236.
  • Jürgen Roth: Methodologie und Ideologie des Konzepts der Sprachgemeinschaft. Fachgeschichtliche und systematische Aspekte einer soziologischen Theorie der Sprache bei Leo Weisgerber. Diss. Frankfurt am Main 2004, 325, 247-252.
  • Matthias Hofer, Flurin Casura: Die metalinguistische Debatte von Jäger, Bierwisch, Grewendorf: Sprache zwischen Struktur und Funktion, München GRIN 2004.
  • Jürgen Spitzmüller: Im akademischen Theater. Inszenierungen von Expertise und ihrer ›Außenwelt‹. In: Wiener Linguistische Gazette (WLG), Ausgabe 97 (2024): 3–20.
  • Ludwig Jäger: Verstehen und Störung. Skizze zu den Voraussetzungen einer linguistischen Hermeneutik. In: Fritz Hermanns, Werner Holly (Hg.): Linguistische Hermeneutik. Theorie und Praxis des Verstehens und Interpretierens, Tübingen: Max Niemeyer Verlag 2007, 25-42; hier: 29ff.