6.2 Angewandte Gebärdensprachforschung: DESIRE - SignGes

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe (DESIRE, Deaf and Sign Language Research Team), wurde (nach einem Vorlauf seit 1991) 1995 an meinem Lehrstuhl initiiert und etabliert. Sie hatte sich von Beginn an dem Ziel verschrieben, in einem interdisziplinären Verbund auf der Grundlage linguistischer, neurologischer und evolutionsbiologischer Forschungen die Anerkennung der Gebärdensprache(n) als den Lautsprachen vergleichbare natürliche Sprache(n) zu fördern und Instrumente zur Verbesserung der Integration der Gehörlosenkultur(en) in die sie umgebenden Lautsprachenkultur(en) zu entwickeln.
Die DESIRE-Gruppe hatte in der Gründerphase die folgenden Mitglieder: Prof. Dr. Walter Huber, Neurolinguistik, Prof. Dr. Ludwig Jäger, Sprachwissenschaft, Prof. Dr. Matthias Jarke, Informatik und Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT), Prof. Dr. Will Spijkers, Psychologie, Prof. Dr. Klaus Willmes-von Hinckeldey, Neuropsychologie (alle RWTH Aachen). Für die wissenschaftliche Geschäftsführung von DESIRE und SignGes sowie die Leitung der Projektarbeit war und ist bis heute kontinuierlich Frau Dr. Klaudia Grote (von 2013-2018 gemeinsam mit Dr. Florian Kramer) verantwortlich. Ein Rückgrat der Arbeitsgruppe bildeten die beiden gehörlosen bzw. tauben Mitarbeiter/innen Horst Sieprath und Isa Wert, die nach langwierigen Verhandlungen mit der Hochschule 1996 am Lehrstuhl für Deutsche Philologie auf unbefristeten Stellen angestellt werden konnten. Die Forschungsgruppe umfasste insgesamt im Laufe der Jahre in der Regel etwa 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Folgende Projekte wurden von der DESIRE-Gruppe nach einem Vorlauf in den Jahren 1991 – 1994 seit 1995 konzipiert und nach der (erfolgreichen) Einwerbung von Drittmitteln durchgeführt:

DESIRE

  • 1991 - 1994
    Einführung von Lehrveranstaltungen zur Deutschen Gebärdensprache (DGS) und Entwicklung eines Gebärdensprachtests: Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, und Prof. Dr. Walter Huber, Förderer: Ministerium für Wissenschaft und Forschung (NRW) und den Landschaftsverband Rheinland (LVR).
  • 1995 - 1999
    ATBG Aachener Testverfahren zur Berufseignung Gehörloser: Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, Prof. Klaus Willmes-von Hinckeldey und Prof. Dr. Walter Huber. Projektleitung: Dr. Klaudia Grote (1995-1999), Dr. Wiebke Iversen (1999-2002). Förderer: Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS).
  • 1996-2000
    EDGL Evaluation der Gebärdensprachlehre in NRW und GIN – Gebärdensprachlehre in NRW: Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, Prof. Klaus Willmes-von Hinckeldey und Prof. Dr. Walter Huber. Neben Dr. Klaudia Grote (bis 1999) war Dr. Ulla Louis-Nouvertné 1999-2000) für die Projektleitung verantwortlich. Förderer: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW.
  • 1997-1999
    MIMIG Multimedia in der Gebärdensprachlehre: Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, Prof. Klaus Willmes-von Hinckeldey und Prof. Dr. Walter Huber in Zusammenarbeit mit dem Seminar für Hör- und Sprachgeschädigtenpädagogik der Universität zu Köln (Prof. Dr. Thomas Kaul). Projektleitung: Dr. Claudia Becker (damals Universität Köln), Dr. Klaudia Grote und Dr. Ulla Louis-Nouvertné. Förderer: Universitätsverbund Multimedia.
  • 2003-2012
    AILB I-III Aachener Internet-Lernsoftware zur Berufsqualifizierung von Gehörlosen: Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, Prof. Dr. Klaus Willmes-von Hinckeldey, Prof. Dr. Walter Huber, Prof. Dr. Matthias Jarke. Projektleitung: Dr. Klaudia Grote. Förderer: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
  • 2006- 2010
    VIBELLE Multimediales Informations- und Lernportal für hörbehinderte Berufseinsteiger: Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, Prof. Willmes-von Hinckeldey, Prof. Dr. Walter Huber, Prof. Dr. Matthias Jarke. Projektleitung: Dr. Klaudia Grote. Förderer: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
  • 2010–2013
    GATEWAY Barrierefreier Zugang zu universitärer Berufsqualifizierung für Hör- und Sehgeschädigte und ihre Integration in den Arbeitsmarkt: multimediale barrierefreie Informationsplattform für hör- und sehbehinderte Studierende und Akademiker. In Kooperation mit dem Studienzentrum für Sehgeschädigte, Universität Karlsruhe (KIT), Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik (FIT) und dem IT-College Putbus. Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, Prof. Dr. Walter Huber, Prof. Dr. Klaus Willmes-von Hinckeldey, Prof. Dr. Matthias Jarke in Kooperation mit dem Karlsruhe Institute of Technology (KIT) – Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) sowie dem IT-College Puttbus. Projektleitung: Dr. Klaudia Grote. Förderer: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
  • 2011–2015
    DEAFTRAIN Aachener Blended-Learning Seminare zum Training berufsrelevanter kommunikativer und sozialer Kompetenzen Gehörloser: Projektantragsteller: Prof. Dr. Ludwig Jäger, Prof. Dr. Klaus Willmes-von Hinckeldey, Prof. Dr. Will Spijkers, Prof. Dr. Matthias Jarke. Projektleitung: Dr. Florian Kramer. Förderer: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
  • 2014 - 2018
    DEAF EXIST Existenzgründerkolleg für Schwerhörige, Spätertaubte, CI-Träger und Gehörlose: Projektantragsteller: Prof. Dr. Malte Brettel, Prof. Dr. Ludwig Jäger, , Prof. Klaus Willmes von Hinckeldey, Prof. Dr. Will Spijkers, Prof. Dr. Matthias Jarke; Projektleitung: Dr. Klaudia Grote. Förderer: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

SignGes

Bereits vor dem Ende meiner aktiven Dienstzeit fanden Überlegungen statt, die Forschungsgruppe DESIRE unabhängig vom Lehrstuhl für Deutsche Philologie als selbständige Institution fortzuführen. In Gesprächen mit dem Leiter des Planungsdezernates der Zentralen Hochschulverwaltung, Heinz-Herbert Kaußen, entstand (auf dessen Hinweis) der Plan, DESIRE als eine Einrichtung der Philosophischen Fakultät in der Form eines ›Kompetenzzentrum der RWTH‹ als Kompetenzzentrum für Gebärdensprache und Gestik (SignGes) fortzuführen. Der Gedanke wurde bei verschiedenen Planungstreffen von DESIRE erörtert und konzeptionell konkretisiert. Der Vorschlag, ein Kompetenzzentrums für Gestik und Gebärdensprache als Einrichtung der Philosophischen Fakultät zu begründen konnte dann am 11.07.2012 im Fachbereichsrat der Fakultät vorgestellt werden. Der Fachbereichsrat stimmte dem Vorhaben einstimmig zu. Am 18.12.2012 wurde SignGes im Rektorat von den DESIRE-Mitgliedern Ludwig Jäger, Will Spijkers und Klaus Willmes-von-Hinckeldey vorgestellt. In einem Vermerk zu dieser Vorstellung stellte das Rektorat fest. „Das Rektorat zeigte sich erfreut über die wissenschaftliche Tiefe und starke Drittmittelforschung der Initiatoren und stellte in Aussicht, nach Antragstellung diesen Bereich als Kompetenzzentrum anzuerkennen.“ Am 29.01.2013 wurde der Antrag auf Anerkennung von SignGes als Kompetenzzentrum der RWTH an das Rektorat gerichtet und von diesem gebilligt. Am Ende des Jahres 2013 wurde diese Anerkennung von SignGes in einem Kooperationsvertrag zwischen Rektor und Kanzler auf der einen und der Gruppe der SignGes-Gründungsprofessoren [Ludwig Jäger / Irene Mittelberg / Will Spijkers / Klaus Willmes von Hinckeldey] auf der anderen Seite besiegelt. Am 21. und 22. Januar 2016 fand dann die offizielle Eröffnungsfeier von SignGes im Rahmen eines Symposions zum Thema „Gebärdensprache und Gestik“ statt. [https://media.signges.de/vibelle/kalender/2016/Tagung_SignGes_RWTH_Aachen.pdf] Die Forschungstätigkeit von SignGes (dessen Direktorium ich als Senior Advisor weiter angehöre) hat sich seither unter der Leitung von Klaus Willmes von Hinckeldey, Irene Mittelberg und Klaus Mattiak erfolgreich fortgesetzt.