1.6 Initiierte Ehrenpromotionen
- 20.05.1988: Prof. Dr. Carl Friedrich von Weizsäcker [Laudatio]
- 20.05.1988: Bischof Prof. Dr. Klaus Hemmerle
- 06.12.2002: Prof. Dr. Hanna Damasio
- 06.12.2002: Prof. Dr. Antonio Damasio [Laudatio]
Auszug aus dem Vorschlag für die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der RWTH Aachen
Hierdurch wird der Vorschlag unterbreitet, den Dr. phil. honoris causa der RWTH Aachen an Frau Prof. Dr. Hanna Damasio sowie an Herrn Prof. Dr. Antonio R. Damasio, beide Professoren für Neurologie an der „University of Iowa“, zu verleihen.
- Begründung
- Hanna und Antonio Damasio gehören gegenwärtig weltweit zu den bedeutendsten Neurologen. Ihre Untersuchungen beziehen sich auf die Bereiche einmal der neuronalen Korrelate sprachlicher Leistungen (Hanna und Antonio Damasio), zum andern der neuronalen Grundlagen der Wissensrepräsentation sowie des Zusammenhanges von Emotion und Vernunft (Antonio Damasio). Sprache, Wissen, Vernunft und Gefühl sind zentrale Gegenstände ihrer Forschungen, die ihren Ausgang von der Untersuchung spezifischer kognitiver und emotionaler Ausfälle von gehirngeschädigten Patienten nehmen. Aus der Form dieser Defizite entwickeln beide Wissenschaftler Modellvorstellungen über die Struktur des Geistes, durch die überkommene Modellierungen des menschlichen Geistes in vieler Hinsicht revolutioniert worden sind. Ihre Arbeiten bewegen sich mithin auf einem Gebiet, das gegenwärtig auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften intensive Aufmerksamkeit findet: auf dem Gebiet des (rätselhaften) Zusammenhanges von neuronalen und geistigen Prozessen. So hat etwa Antonio Damasios Buch „Descartes Irrtum“ nicht nur in den der Neurowissenschaften, sondern auch im Diskussionszusammenhang psychologischer, linguistischer und philosophischer Forschung große Aufmerksamkeit gefunden. Beide Forscherpersönlichkeiten repräsentieren deshalb in idealer Weise ein Wissenschaftsverständnis, das dem Umstand Rechnung trägt, daß sich viele Forschungsgegenstände aufgrund ihrer transdisziplinären Natur in den traditionellen Disziplinengrenzen nicht angemessen untersuchen lassen. Die Auszeichnung von Hanna und Antonio Damasio wäre insofern ein entschiedenes Signal für die interdisziplinäre Orientierung der Geisteswissenschaften an der RWTH Aachen.
- Zwischen den beiden Forscherpersönlichkeiten und der RWTH Aachen bestehen in verschiedener Hinsicht ausgeprägte Beziehungen, die insbesondere auf den emeritierten Direktor der Neurologischen Klinik, Herrn Prof. Dr. Klaus Poeck zurückgehen. Auch gegenwärtig bestehen zwischen den Kollegen der Neurologischen Klinik, ihrem Direktor, Prof. Dr. Johannes Noth, sowie zwischen den Leitern der neuropsychologischen und der neurolinguistischen Abteilung, Prof. Dr. Klaus Willmes von Hinckeldey und Prof. Dr. Walter Huber, und neurologischen Kollegen der University of Iowa wissenschaftliche und kollegiale Kontakte über internationale Fachgesellschaften. Die germanistische Sprachwissenschaft ist über den Forschungsschwerpunkt Gebärdensprache sowie – wie auch weitere Fächer der Philosophischen Fakultät – über den gemeinsam betriebenen Studiengang Lehr- und Forschungslogopädie eng mit der Neurologischen Klinik verbunden. Im letzten Jahr wurden an meinem Lehrstuhl zwei von neurologischen Kollegen mitbetreute Dissertationsschriften angefertigt, die sich mit den sprach- und zeichentheoretischen Implikationen der Forschungen von Hanna und Antonio Damasio beschäftigten. Zugleich werden gegenwärtig in meiner Projektgruppe im Rahmen des SFB/FK 427 Forschungskontakte mit der Neurologie der University of Iowa zum Problem der „Neurosemiologie“ eingerichtet. Ich war deshalb sehr froh, daß beide Forscherpersönlichkeiten auf meine Voranfrage, ob sie im Falle eines entsprechenden Vorschlags der RWTH Aachen bereit sein würden, die Ehrendoktorwürde anzunehmen, ihre große Freude und die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht haben, eine solche Würde anzunehmen.
- Für die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Hanna und Antonio Damasio zum gegenwärtigen Zeitpunkt sprechen verschiedene Gründe: Einmal könnte hierdurch – vor dem Hintergrund der gebotenen Profilschärfung der Fakultät – ihre interdisziplinäre Orientierung nachhaltig auch öffentlich zum Ausdruck gebracht werden. Zugleich würde mit zwei Forscherpersönlichkeiten aus den USA auch die internationale Forschungsorientierung von Fakultät und Hochschule zu einem Zeitpunkt hervorgehoben, zu dem die Internationalisierung wissenschaftlicher Kooperation ein immer zwingenderes Gebot geworden ist. Zudem scheint es gegenwärtig auch besonders wünschenswert zu sein, die enge wissenschaftliche Vernetzung der Medizinischen Fakultät mit anderen Fakultäten der RWTH – in diesem Fall mit der Philosophischen Fakultät – sinnfällig zu demonstrieren. Die Doppel-Ehrenpromotion würde in diesem Falle die sowohl in der Forschung als auch in der Lehre bestehende enge Kooperation der beiden Fakultäten zum Ausdruck bringen. Die Vorgespräche, die ich mit dem Dekan der Medizinischen Fakultät sowie mit den Kollegen der Neurologischen Klinik geführt habe, haben die große Bereitschaft der Medizinischen Fakultät ergeben, das Vorhaben der Philosophischen Fakultät nachhaltig zu unterstützen.
- Persönliche Daten
- Hanna Damasio
- Antonio R. Damasio
Hanna Damasio ist „Professor of Neurology” an der “University of Iowa” (“University of Iowa Foundation Distinguished Professor”). Ihre akademische Ausbildung erhielt sie an der Medical School der Universität Lissabon. Sie nahm Forschungs-Gastprofessuren am „Centro de Estudos Egas Moniz“, Lissabon, sowie am „Aphasia Research Center“, Boston, wahr. Sie erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, wurde 1995 in die „American Neurological Association“ sowie 1997 in die „American Academy of Arts and Sciences“ gewählt. Sie ist Board-Editor der Zeitschrift „Human Brain Mapping“ sowie „special reviewer“ für die wichtigsten neurowissenschaftlichen und neurologischen Zeitschriften.
Antonio Damasio ist ebenfalls “Professor of Neurology” an der “University of Iowa“ („M. W. Van Allen Professor and Head of Neurology”). Seine akademische Ausbildung erhielt er ebenfalls an der Medical School der Universität Lissabon. Er nahm eine Forschungs-Gastprofessur am „Aphasia Research Center“, Boston, wahr. Antonio Damasio erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, wurde 1991 in die „Royal Academy of Medicine of Belgium“, 1995 in die „National Academy of Sciences’ Institute of Medicine“ sowie 1997 in die „American Academy of Arts and Sciences“ gewählt. Er ist Board-Editor der Zeitschriften „“Learning and Memory“, „Journal of Neuroscience“, „Consciousness and Cognition“, „The Neuroscientist“, „Brain and Cognition“ sowie „Brain and Behavioral Sciences“ (Auswahl).
Ludwig Jäger 03.07.01
Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät erhielt einen Hinweis auf ein Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl, München vom 09.11.2020 zum Thema: „Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich des Bistums Aachen im Zeitraum 1965 bis 2019. - Verantwortlichkeiten, systemische Ursachen, Konsequenzen und Empfehlungen“.
In diesem Gutachten wird Bischof Hemmerle im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker in seinem Verantwortungsbereich ein „inadäquates“ bzw. „nicht mehr vertretbares“ Verhalten vorgeworfen. Aufgrund des Gutachtens verabschiedete der Senat der RWTH folgende Stellungnahme: „Der Senat stellt in seiner Sitzung am 13.07.2023 fest, dass ein Entzug der Ehrendoktorwürde posthum nicht möglich ist. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch den Senat an Bischof Hemmerle wäre aus heutiger Sicht nicht erfolgt, wenn die Erkenntnisse über seinen Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Bereich des Bistums Aachen bereits zum Zeitpunkt der Verleihung vorgelegen hätten.“ [https://www.rwth-aachen.de/go/id/cbar „Ehrendoktorwürde Klaus Hemmerles“].